Geschichte
Die Deutsch-Indische Gesellschaft e.V. Aachen: 1989 bis Anfang 2010
Am 7. September 1989 wurde die Aachener Zweiggesellschaft der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V., die ihrerseits seit Anfang der 50er Jahre in allen großen Städten Deutschlands vertreten ist, gegründet. Seit zehn Jahren ist die Aachener Gesellschaft selbständig. In den über 20 Jahren ihres Bestehens wuchs die Aachener Gesellschaft stetig dank eines abwechslungsreichen und sehr regen Gesellschaftsleben. Regelmäßig finden sich die in Aachen und Umgebung lebenden indischen Familien zusammen mit vielen deutschen Freunden, die sich für Indien interessieren, für seine Geschichte und großartige Kultur, aber auch für die 3. Welt-Problematik und vor allem das moderne Indien mit seinen zukunftsträchtigen Technologien. Immer verstand sich die Aachener Gesellschaft als ein Forum des Gedankenaustausches, der Information und der Kontakte von Menschen mit Engagement für den Subkontinent. Bei einer Vielzahl von Veranstaltungen und Aktivitäten im kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und persönlichen Bereich und mit regelmäßigen Mitgliederreisen, inzwischen in alle Welt, versuchen wir, dieses Ziel zu verwirklichen. Einiges haben wir bereits erreicht, das konnte man anlässlich der Feierlichkeiten unseres 20. Geburtstages im Jahr 2009 immer wieder hören. Viele neue Aufgaben und Herausforderungen warten aber nach wie noch in der Zukunft auf uns: Der Versuch der Ausdehnung über die benachbarten Grenzen hinweg in den niederländischen und belgischen Grenzbereich sowie verstärkte Kontakte in den Köln-Düsseldorfer Raum, die Intensivierung und Festigung der Jugendarbeit, die weitere Professionalisierung bei der Planung und Realisierung unserer Vorhaben unter Einsatz der modernen Kommunikationssysteme u.a. Zur Zeit belegen fast 500 Mitglieder und ein großer Freundeskreis mit steigender Tendenz die Bedeutung unserer Gesellschaft als bilaterale Begegnungsstätte. Auf Bundesebene ist die Deutsch-Indische Gesellschaft Aachen mit Abstand die größte ihrer Art.
1.
Wenn man auf die Aktivitäten der Gesellschaft in der Vergangenheit eingeht, ist zunächst ein umfangreiches kulturelles Programmangebot herauszustellen. Neben indischem Tanz und indischer Musik - ob in öffentlichen oder in kleineren Haus-Konzerten - standen Dia-Abende und Multivision-Shows, Vorträge und ganze Vortragsreihen, Ayurveda-Abende, Filme – ob klassisch oder aus Bollywood -, Ausstellungseröffnungen, Kunstexkursionen und sogar Karnevalsveranstaltungen im Vordergrund des Interesses. Unvergessen aus den ersten Jahren sind beispielhaft die Auftritte des Tanzpaares Raja und Radha Reddy, der Margi-Kathakali-Tanzgruppe, der Kuchipudi-Tänzer mit Vembhati Chinna Satyam, der Mayadhar Raut Gruppe mit Odissi-Tanz, des südindischen Tanztheaters mit Bharti Shivaji und des Tibetischen Tanz- und Musiktheaters aus Dharamsala sowie die Musik-Performance ME-DI-TA und die Konzerte mit der Flöten-Gruppe Kulkarni, mit Anant Lal, Shanai, mit Partha Chatterjee, Sitar, oder etwa mit John Handy, dem großen Jazz-Saxophonisten. In bleibender Erinnerung aus den ersten Jahren sind auch die Vortragsreihen über das heutige Indien, über dortige Stadtarchitekturen, über die Weltreligionen und insbesondere über deren Pilgerwege anläßlich der Heiligtumsfahrt 1993 in Aachen.
Aus den Tanzangeboten der letzten zwei Jahrzehnte ragen heraus das Morungen-Projekt und das Masken-Tanz-Theater Yakshagana, die Bharatanatyam-Tänzer/innen Liza Purkait, Malavika Sarukkai, Sulakshana Jayaram sowe die großartigen Souraja Tagore und Milan Adhikari, die Kathak-Tänzerinnen Shila Mehta, Nandita Puri und die wunderbare Pragati Sood Anand, die Odissi-Tänzerin Sangeeta Dash, das Kuchipudi-Tanzpaar Rao, die phantastische Uma Muralikrischna mit Kuchipudi-Tanz, nicht zu vergessen das Music Ensemble of Benares mit dem sehr erfolgreichen Kathak-Flamenco-Projekt, das anspruchs-volle Tanzdrama Chitrangada mit der Aachener Gruppe Nataradsch Natya Sangh und die schwungvolle Thar Rhythms-Gruppe.
Das Musikprogramm war sehr breit gefächert: Es reichte von der klassischen indischen Musik mit etwa Aasmaan The Endless und den Gesangskünstlern Ustad Mohamed Sayeed Khan, Sugat Marjit und den Gundecha Brothers, den Sitaristen Gaurav Mazumdar, Preetam Banerjee, Kushal Das, Purbayan Chatterjee, Biswabrata Chakrabarti und Mita Nag, den Flötisten Ronu Majumdar und Dipak Sarma, dem Violinisten Sukhdev Prasad Mishra, den Sarod-Spielern Rajeeb Chakraborty, Ken Zuckerman, Tejendra Narayan Majumdar, Partho Sarathy und Ranajit Sengupta, über den chinesischen Erhu-Künstler Jinming Dong, über die Klavierkonzerte mit dem Südafrikaner Surendra Reddy mit Romantik-Jazz, dem weltbekannten Sotirios Dimitriadis mit „Healing Music“ und dem deutschen Pianisten Lutz Gerlach mit New World Music bis hin zu den sagenhaften Jazzkonzerten mit dem weltberühmten Percussionisten Trilok Gurtu. Dem Zeitgeist entsprechend gab es in den letzten Jahren auch einige sog. Indian Nights mit indischem Buffet, einem Konzert mit klassischer indischer Musik und einer anschließenden After Concert Party, bei der internationale DJ´s mit Bollywood, Desi-Remixes, Bhangra, Punjabi, Asian Dance und Goa Trance das Publikum einheizten.
Eine regelrechte Fan-Gemeinde in den 90-er Jahren hatte der Musiker, Schauspieler und Sprechkünstler Dieter Grell, der unter dem Leitthema „Literatur erleben“ mit den Hesse-Stücken „Siddharta“, „Steppenwolf“ und „Narziß und Goldmund“ und Gibran’s Propheten die Zuhörer beeindruckte und begeisterte. Heute sind die Protagonisten der hiesigen Literaturszene vor allem die Schriftsteller Martin Kämpchen, der seit mehr als 30 Jahren in Santiniketan bei einem Stamm der Santals lebt und sich in vielfältiger Weise um einen interkulturellen und interreligiösen Austausch sowie um alternative Entwicklungshilfe bemüht, der junge Anant Kumar, der „Indien I: Süß“ und „Indien II: Sauer“ vorstellte, und vor allem Ilija Trojanow, der seiner Zeit noch in Mumbai lebend über seine Lesungen aus seinen Büchern „An den inneren Ufern Indiens. Eine Reise entlang des Ganges“ und „Zu den heiligen Quellen des Islam“ tiefe Einblicke in die religiöse und politische Identität Indiens gab. Zuletzt stellte er seinen neuen, hochdekorierten Roman und Bestseller „Der Weltensammler“ bei uns in Aachen vor.
Das Vortragswesen war vielfältig und umfangreich. Im Vordergrund standen Themen aus den Bereichen der Religion, Kunst und Architektur sowie landeskundliche und Reiseberichte. Aber auch Vorträge aus dem wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Bereich haben in Aachen ihren festen Platz, kein Wunder angesichts der guten Zusammenarbeit mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und der Fachhochschule Aachen. Die Feiern und Festvorträge anläßlich des jährlichen Republic Day of India hatten ihren ganz besonderen Stellenwert. Beachtenswerte Vorträge in den letzten Jahren hielten u.a.:
Annemarie Schimmel (Islamische Literatur u.a.), Gisela Bonn (Indien heute), Herbert Fischer (Mahatma Gandhi), Helmut Uhlig (Seidenstraße), Michael Jansen (Frühe Stadtkulturen), Toni Hagen (Erlebtes Nepal), Susanne von der Heide (Königreich Mustang u.a.), Jana Dreikhausen (Auroville), Clemens Schwarzer (Sonnenenergie), Ronald Sequeira (Indische Philosophien, Indische ,Götter und Epen u.a.), Wolfgang Siepen (Buddhismus u.a.), Hans-Jürgen Findeis (Indische Religionen), Jürgen Jansen (Indien heute), Jan Pieper (Klosterarchitektur), Kurt Schetelig (Wissenschaftsaustausch), Helmut Breuer (EXPO 2000 u.a.), , Heinrich-Dietrich Dieckmann (Indien heute u.a.), Dietrich Kebschull (Deutsch-Indische Zusammenarbeit), Heimo Richter (Weltmacht Indien), Hans-Joachim Kiderlen (Religionen in Indien) und Martina Fromhold-Eisebith (Technologieregionen in Indien).
Erinnert werden soll auch an die großen Multivisionshows und Live-Reportagen von Bruno Baumann (Seidenstraße, Tibet, Buddhismus) und Olaf Krüger (Süd- und Nordindien), interessante Stammtische, Filmabende, hervorragende Reisefilme von Udo Flink über Rajasthan oder Bhutan, die Grillfeste im Sommer, die Feste zu jahreszeitlichen oder religiösen Themen, erfolgreiche Modenschauen und überhaupt die vielen kleineren oder größeren Zusammenkünfte, bei denen über das Programm hinaus das Kennenlernen, der Gedankenaustausch, die Kommunikation über die Grenzen hinweg im Vordergrund standen.
Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens sind seit einigen Jahren die sommerlichen Empfänge anlässlich des Unabhängigkeitstages der Republik Indien im Hause Dr. Batra, bei denen viele Gäste aus der Wirtschaft und Politik auf die zahlreichen Mitglieder und Freunde der Aachener Gesellschaft treffen.
2.
Neben der Kultur im weiteren Sinne und einem breit gefächerten, umfangreichen Programmangebot spielten die sozialen Aktivitäten immer eine besondere Rolle in der Aachener Gesellschaft. Wir meinen, dass zur Pflege der Beziehungen zwischen Indien und Deutschland, der ureigenen Aufgabe der Deutsch-Indischen Gesellschaft, auch die vorurteilsfreie Sicht aus einem Überfluß-Land wie Deutschland auf Indien gehört, das trotz aller riesigen Fortschritte auf dem Weg zur großen Industrienation in mancher Hinsicht immer noch Hilfe braucht. Auf der einen Seite Indien als großer Produzent und Exporteur für die Weltmärkte, riesiges Konsumland, aufstrebende Weltmacht - auf der anderen Seite der krasse Gegensatz dazu in der Realität: Viele Inder leben immer noch ohne ausreichende Zukunftsperspektiven, oder sind immer noch Analphabeten und haben kaum Bildungschancen, oder werden immer noch nicht oder nur unzureichend ärztlich versorgt. Viele Millionen Menschen auf dem Subkontinent brauchen deshalb nach wie vor Hilfe, insbesondere Hilfe zur Selbsthilfe, auch aus dem Ausland, auch von uns.
Sicherlich sollte bei jeder Hilfestellung der Maßstab der Verhältnisse vor Ort angelegt und insbesondere auch respektiert werden, daß das Leben dort in Südasien nach anderen Regeln als in Europa abläuft. Gerade deshalb sehen wir es als unsere Pflicht an, auch als bilaterale Gesellschaft unseren Beitrag zur Verbesserung der dortigen Lebensverhältnisse zu leisten. Diese Aufgabe haben wir sehr ernst genommen und geholfen, wo und wann immer wir dazu in der Lage waren.
Was haben wir im einzelnen getan? Hunderttausende von DM bzw. Euro haben wir aus den Einnahmen der Mitgliedsbeiträge, zusätzlichen Geldspenden und Zuweisungen von Geldbußen von Aachen aus für soziale Hilfsprojekte in Indien, aber auch in Nepal und Sri Lanka aufgebracht. Desweiteren wurden hier im Aachener Raum etliche tausend Brillen, Medikamente, medizinisches Hilfsgerät, Operationsmaterial u.a. in Kliniken, bei Ärzten, Apothekern und Optikern, bei vielen Menschen, die um unser Anliegen wissen und uns unterstützen, gesammelt. Alle diese Hilfsgüter sind durch Mitglieder unserer Gesellschaft persönlich oder mit Hilfe befreundeter Hilfsorganisationen nach Indien zu ausgewähltenn Adressaten verbracht worden. Einige Mitglieder unserer Gesellschaft haben sich auf eigene Kosten nach Indien in Krankenstationen und andere soziale Einrichtungen oder auch in Slums begeben, um dort - natürlich kostenlos - einfach zu helfen oder als Arzt Kranke zu versorgen und zu operieren. Eine ganze Reihe von Aachener Medizinstudenten vermittelten wir in Krankenhäuser etwa in Indore, Kodaikanal und nahe bei Bokara Steel City, wo sie famulieren und helfen konnten.
Nicht unerwähnt bleiben soll unser beachtlicher Beitrag zur Linderung der gröbsten Not nach der schweren Erdbebenkatastrophe in Gujarat im Herbst 1993. Aber auch die Überlebenden des schweren Erdbebens im pakistanischen Kaschmir haben wir über das SOS-Kinderdorf in Muzzafarabad unterstützt.
Tief betroffen von den Nachrichten und Bildern der furchtbaren Tsunami-Katastrophe haben wir eine große Hilfsaktion für Südindien durchgeführt. Über Spendenaktionen in unserer Gesellschaft, in der Presse und im Zusammenhang mit mehreren Benefiz-Konzerten konnten wir die Hilfsmaßnahmen vor Ort nachhaltig, zeitnah und unbürokratisch unterstützen. Insgesamt gingen bei uns 42.549,30 € Spendengelder ein, die mit Hilfe der Daughters of Mary Immaculate (DMI) und der Missionaries of Mary Immaculate (MMI) in Chennai ohne jeden Abzug für die Tsunami-Opfer bei ersten Hilfsmaßnahmen und den sich anschließenden Hilfsmaßnahmen wie etwa Traumabewältigung, Verbesserung der medizinischen Versorgung und Kinderbetreuung eingesetzt wurden.
Hier eine Auflistung unserer derzeit wichtigsten Hilfsprojekte:
Asha Vihar - Multipathie-Zentrum für Gesundheit, Fürsorge und Rehabilitation in Dörfern nahe bei Bokara Steel City/Jharkand
Pasam Trust - Krankenstation mit ärztlicher Versorgung der umliegenden Dörfer in Kodaikanal
Society of Daughters of Mary Immaculate - Berufsausbildungszentrum Chembarambakkam und Krankenstation in den Slums in Chennai
Gandhigram – Aus- und Weiterbildungsprojekt in Dörfern um Madurai
Sani Zanskar – Schul- und Medizinisches Projekt im Zanskartal
FERRY - Berufsausbildungszentren für junge Frauen und Männer in Dörfern im Bereich Kolkata/Westbengalen
Krankenhaus Kondolia in Westbengalen - Schwerpunkte: Infektionskrankheiten, Augener-krankungen
Shanti Leprahilfe – Lepra- und Krankenstation mit Waisenhaus in Kathmandu/Nepal
3.
Von Anfang an hat die Deutsch-Indische Gesellschaft Aachen enge Beziehungen zu der hiesigen Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule und zur Fachhochschule Aachen, aber auch zur Industrie- und Handelskammer sowie zur Handwerkskammer unterhalten, um die Wirtschaftskontakte sowie die wissenschaftlichen und technologischen Aktivitäten zwischen der Region Aachen und Indien zu fördern. Erleichtert wird diese Aufgabe dadurch, dass eine ganze Reihe von Mitgliedern der Gesellschaft aus dem Hochschulbereich, in dem einige fachbezogene Indo-German Workshops laufen (Stichwort: Technologietransfer), kommen oder selbst bereits unternehmerische Kontakte nach Indien unterhalten. Die Verbindung zu den indischen Studenten an den Hochschulen wird gepflegt. Regelmäßig macht auch der überörtliche Deutsch-Indische Unternehmer-Stammtisch Station in Aachen. Die Deutsch-Indische Handelskammer in Düsseldorf und die Indische Botschaft in Berlin sowie das Indische Generalkonsulat in Frankfurt helfen in allen Bereichen, in denen es um eine aktuelle Darstellung der guten deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen geht; die Repräsentanten dieser Institutionen sind regelmäßig Gast bei unseren Veranstaltungen, wenn diese sich mit dem modernen Indien in einer globalisierten Welt und deren Verflechtungen mit Deutschland und unserer Region beschäftigen.
Sichtbares Zeichen der guten Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen und AISA, dem Indischen Studentenverein in Aachen, war das gemeinsam veranstaltete und sehr gut besuchte Deutsch-Indische Symposium im November 2009. Dabei ging es zunächst in einem Workshop um ganz praktische Fragen und Zuunftsperspektiven, die die hier lebenden indischen Studenten/Doktoranden, aber auch deutsche Studenten, die sich in Richtung Indien orientieren wollen, betreffen. In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde die Entwicklung der deutsch-indischen (Wirtschafts-)Beziehungen in der Praxis behandelt. Eine sehr erfolgreiche Veranstaltung, ganz in englischer Sprache durchgeführt!
4.
Die erfolgreiche Arbeit der Deutsch-Indischen Gesellschaft Aachen als Mittlerin zwischen den Kulturen im hiesigen Raum und in Indien oder besser in ganz Asien wird ganz besonders belegt durch ein reges und regelmäßiges Reiseprogramm. Seit 1992 geht es immer wieder mit Gruppen hinaus nach Südasien oder in asiatische Gefilde, die über die Religionen oder über die alten Handelswege mit dem indischen Kulturkreis eng verbunden sind. Inzwischen werden aber auch wegen des großen Interesses Ziele außerhalb Asiens angesteuert.
Alles begann mit der ersten Mitgliederreise nach Süd- und Ostindien, die ganz unauslöschliche Eindrücke bei allen Reiseteilnehmern hinterließ, vor allem auch wegen der Besuche von sozialen Einrichtungen etwa in der Children’s Garden School in Chennai, in Augenkrankenhäusern in Madurai und New Delhi, in einer Lepra-Station in Puri und insbesondere bei Mutter Teresa und ihren Waisen- und Sterbehäusern in Kolkata.
Unter dem Reisetitel „Klöster und heilige Städte“ folgten gleich zwei Mitglieder-Reisen, bei denen wir das schöne Kathmandu-Tal in Nepal, Darjeeling und seine Teeplantagen, das abgeschiedene ehemalige Königreich Sikkim mit seinen alten buddhistischen Klöstern der Rot- und Gelbmützenmönche und dem gewaltigen Kanchenjunga und schließlich per Zug die Höhepunkte der nordindischen Tiefebene u.a. mit Varanasi und Lucknow besuchten.
Dann ging es in einer außergewöhnlichen Reise auf die legendäre Seidenstraße. „Auf dem Karakorum Highway über den Konjerab-Pass nach China“ - Auf den Spuren der Marco Polo, Sven Hedin und Aurel Stein erlebten wir das hellenistisch-buddhistische Gandhara-Zentrum bei Islamabad/Rawalpindi, auf dem Weg durch Hindukusch, Karakorum und Himalaya das ursprüngliche Leben der Hinzukutz in den Hochgebirgen in Nordpakistan und der Turkvölker auf dem Pamir-Plateau, das islamische Leben in Kashgar und Turfan in den Wüsten des Tarim-Beckens, die buddhistischen und lamaistischen Zentren entlang des uralten Karawanenweges. Das kaiserliche Peking und Hongkong setzten den glanzwollen Schlußpunkt.
Ganz unvergeßlich ist auch das „Abenteuer Nord- und Südjemen“ im Herbst 1996. „Auf den Spuren indischer Seefahrer und Kaufleute in Arabien“ ging es im Bus und Jeep von Sanaa - architektonisches Juwel mit seinen charakteristischen „Hochhäusern“ und seinem mittelalterlichem Flair - durch den Bergjemen mit seinen malerischen Steinhausstädten und eindrucksvollen Terrassenkulturen zum Roten Meer, um dann in das sagenhafte Land der Königin von Saba aufzubrechen. Durch die phantastische Wüstenlandschaft des „Leeren Viertels“ gelangten wir in den Hadramaut und nach Seyun, der schönsten Stadt Südarabiens, wegen seiner bis zu zehn Stockwerken hohen Lehmhäuser auch „Chikago der Wüste“ genannt, und schließlich nach Mukalla und Bir Ali am Golf von Aden.
Mehrere Reisen führten – natürlich - „auf den Spuren der Maharadschas und Rajputenkönige“ nach Rajasthan, wo die Reiseteilnehmer u.a. die berühmte „Pink City“ Jaipur, die herrlichen Paläste, Tempel und Privathäuser mit ihren farbenprächtigen Malereien der „Havelies“ entlang der Ost-West-Karawanenroute, die Wüste Thar mit der „Goldenen Stadt“ Jaisalmer, die Festungen in und um Jodhpur, die Jain-Tempel in Ranakpur und Mount Abu, das malerische Udaipur, das berühmte Pushkar-Fest - und jeweils zum Abschluß das Taj Mahal in Agra erleben durften.
Gleich auf mehreren Reisen standen „Die schönsten Landschaften und Tempelstädte Südindiens und das Tropenparadies Goa“ auf dem Programm. Von einem Highlight zum anderen bereisten wir die phantastischen Landschaften in Tamil Nadu, Kerala und Karnataka und bewunderten die unvergleichbaren Zeugnisse der Steinmetzkunst etwa in Mahabalipuram, Trichy, Madurai und dann in Shravana Belgola, Belur und Halebid sowie das phantastische Ruinenareal von Vijayanagara, um schließlich am goldenen Strand von Goa ein wenig zu entspannen.
Eine Reise führte „hinter den Bambusvorhang nach Laos, Vietnam und Kambodscha“. Einzigartige Naturschönheiten wie etwa die Halong-Bucht, das Mekong-Delta, der Tonle-Sap-See, großartige Baudenkmäler und Tempel vergangener Kulturepochen wie z.B. das „achte Weltwunder“ von Angkor, die einzigartige Königsstadt Luang Prabang am Mekong, die Metropolen Vientiane, Hanoi, Saigon und Phnom Penh und insbesondere auch die sichtbare Anstrengung dieser dort lebenden Völker, endlich in Frieden zu leben, faszinieren jeden Besucher und waren ein ganz besonderes Reiseerlebnis.
Die Fahrt auf der „Orientalischen Seidenstraße“ durch weitgehend noch unbekannte und geheimnisvolle Wüsten- und Gebirgslandschaften Mittelasiens mit Besuchen der alten Handelsstädte Samarkand, Buchara und Chiwa in Usbekistan sowie Aschgabat in Turkmenistan fand ein jähes und vorzeitiges Ende an der persischen Grenze vor Mashad – als unvorhersehene Konsequenz der drohenden Kriegsgefahr in dieser Region unmittelbar nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001.
Myanmar, das frühere Burma, mit seinen überaus freundlichen Menschen verzaubert jeden Besucher. Dieses tiefreligiöse, buddhistische Land besticht durch Superlative wie die Shwedagon-Pagode in Yangon, den Goldenen Felsen in Kyaikhtiyo, die alte Königstadt Mandalay, die geruhsame Bootsfahrt auf dem Ayeyarwady nach Bagan mit seinen tausenden Pagoden, den Mount Papa und das berühmte Phaung-Daw-U-Fest auf dem Inle See.
Zwei Reisen führten „in die stille Welt des Himalaya“ nach Bhutan und Sikkim. Beim Besuch von zahlreichen, oft abgeschiedenen Burgen und Klöstern erlebten die Reisegruppen tibetische Mönchskultur in Reinform, ob in Sikkim vor landschaftlich faszinierenden Kulissen im Spannungsfeld von Teeplantagen und Eisriesen, vor allem dem Kanchenchunga, oder im mittelalterlich geprägten Bhutan, dem „Land der Donnerdrachen“. Höhepunkt in diesem abgeschiedenen, kleinen Land von einzigartiger Schönheit war das Klosterfest in Paro mit seinen geheimnisvollen Maskentänzen.
Dann suchten wir „Glanzlichter Südchinas“ und erlebten die zauberhafte Traumlandschaft am Li-Fluß bei Guilin und die schöne Bergprovinz Yunnan mit dem bizarren Steinwald bei Kunming, den historischen Altstädten von Dali und Lijiang und Zhongdian, 3.300 Meter hoch im tibetischen Kulturkreis gelegen, wo sich das sagenumwobene Shangri La befinden soll. Nach einem Besuch Chongqings, der größten Stadt Chinas, und der phantastischen Felsskulpturen in Dazu endete diese Reise mit Schiffstour auf dem Yangze mit seiner grandiosen Flusslandschaft.
Natürlich durfte auch eine Reise nach Australien nicht fehlen. Von Singapur kommend, entdeckten wir zunächst die Nationalparks im Norden, im ureigenen Aborigines-Land. Alice Springs, die Olgas und der einzigartige Ayers Rock führten tief ins Outback. Das Barrier Reef und der älteste Regenwald auf der Erde bei Kuranda und Daintree waren Höhepunkte einer sehr abwechslungsreichen Reise, die in einer Stadt der Superlative, Sydney, ihren großartigen Abschluß fand.
Auf einer Indien-Reise in 2007 erlebten wir die Feierlichkeiten anlässlich des Republic Day in Delhi, aber auch – neben dem Besuch der altehrwürdigen Tempelstädte in Khajuraho, Benares, Puri, Konarak und Bhubaneswar, des unvergleichlichen Taj Mahal und der quirligen Metropole Kolkata – der Welt größtes Pilgerfest, die Kumbh Mela, in Allahabad. In einem Zeltdorf inmitten von vier Millionen gläubigen Hindus wohnend, waren die Eindrücke von diesem jede Vorstellung sprengenden Fest einzigartig und unvergesslich.
Trotz aller politischen Widrigkeiten führte ebenfalls noch 2007 eine Reise nach Persien, wo wir „ein Land zwischen Tradition und Moderne“ erlebten. Die Reiseroute führte zu den beeindruckendsten antiken Ruinenstätten der alten Welt, u.a. dem einzigartigen Persepolis, aber auch zu den architektonischen Meisterleistungen in Isfahan, Shiraz und Yazd. Der heutige Iran zeigte sich bei dieser Reise in all seiner Zwiespältigkeit zwischen muslimischem Konservatismus und erstaunlicher Modernität.
Dann war wieder das Land der Maharajas und Rajputen das Reiseziel. Rajasthan im recht kalten Februar 2008 auf einer mehr südlicheren Route mit ganz vielen „anderen“ Highlights: So der Nationalpark Ranthambore, wo zumindest einige der Reiseteilnehmer zwei Tiger von ganz nah sahen, das kleine Bundi mit seiner großartigen Festung, das Rohetgarh-Fort mit den beeindruckenden Bishnoi-Dörfern, der Rattten-Tempel bei Deshnok oder die Wüsten-Übernachtung bei Khimsar.
Im Frühjahr 2008 besuchten wir Syrien und Jordanien. Die „Impressionen zwischen Orient und Okzident“ waren vielfältig und überwältigend. Die uralten Städte Damaskus und Aleppo, die riesigen Kreuzfahrer-Burgen, das unglaubliche Simeon-Kloster und die phantastische Wüstenstadt Palmyra, die Stadt der Königin Zenobia, machten den Syrien-Aufenthalt unvergesslich. Jordanien stand dem mit den christlichen Ur-Stätten, dem unvergleichlichen Petra und dem einmaligen Wadi Rum nicht nach.
Und noch eine Tour gab es in 2008. Im Herbst besuchten wir das zauberhafte Namibia. Die rote Sandlandschaft der Kalahari-Wüste, die spektakulären Felsformationen des Fish River Canyon, die höchsten Dünen der Welt in der einzigartigen Namib-Wüste, das deutsch geprägte Küstenstädtchen Swakopmund, die Felszeichnungen der Buschmänner und die großartige Tierwelt im berühmten Etosha Nationalpark lieferten phantastische Facetten dieses liebenswerten Landes.
Eine ganz große und unvergessliche Reise stand im September 2009 an: Chile – Bolivien –Peru. Nie gesehene Hochgebirgslandschaften, quirlige Riesen-Hauptstädte in den besuchten Andenstaaten, die Flamingos in der abweisenden Atacama-Salzwüste, Geysire und heiße Quellen hoch in den Vulkanbergen, das unwirkliche Weiß des riesigen Salzsees von Uyuni, das glitzernde Blau des Titicaca-Sees mit der berühmten Sonneninsel, die unberührten Weiten des Altiplano, das malerische Cuzco mit den rätselhaften Inkastätten Sacsayhuaman, Kenko und Ollantaytambo und schließlich eines der neuen Weltwunder, Machu Picchu: Eine Aneinanderreihung von Highlights der Superlative in großer Höhe in reinen Farben und in klarer Luft.
Die nächsten Reisen in 2010 führen im Februar wieder einmal nach Südindien, im Frühsommer nach China/Tibet/Nepal und im Herbst nach Namibia/Botsuana/Simbabwe. Für 2011 sind Reisen nach Äthiopien und Indonesien geplant. Ein sehr reges Reiseprogramm!
Fazit:
Indien und die guten deutsch-indischen Beziehungen sind ein ständiges Thema in der hiesigen Aachener Region. Dazu trägt bei die unermüdliche und aktive Arbeit der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V. Aachen. Möge diese bilaterale Gesellschaft auch in der Zukunft weiterhin so vital und erfolgreich sein wie bisher!
Jürgen Franz